
Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit
– Herbert von Karajan
Mit diesem Zitat ist die Natur der Metal-Szene des 21. Jahrhunderts vor allem auf den kleinen Bühnen Europas gut auf den Punkt gebracht.
Seit seiner Begründung Anfang der 1970er Jahre hat der Metal als Musikgenre eine Vielzahl von Wandlungen und Neuinterpretationen durchlebt, welches die Ausbildung mannigfaltiger, teilweise beeindruckend differenzierter Subkulturen nach sich gezogen hat. Wie bei kaum einem zweiten Genre wurden Synthesen mit anderen musikalischen Stilrichtungen ausgerufen, die - man denke etwa an die Nu-Metal-Phase der späten 1990er Jahre - teilweise bis in die Popkultur vordringen konnten.
So verwundert es nicht, dass auch Einflüsse aus der klassischen Musik ihren Weg in den Metal gefunden haben, wobei vor allem Bands wie Nightwish oder Dimmu Borgir zeigen, dass diesem Genre durchaus größere Bühnen zufallen können. Dabei verschwimmen allerdings zunehmend Einflüsse aus echter Klassik und moderner Filmmusik, die sich im Gegensatz zu ersterer einer weit ungehaltenen Vielfalt an Instrumentalisierungen bedient.
Genau hier setzt die Idee hinter uns - AdvenA - und unserer Musik an, die Melodik und klangliche Präsenz des Melodic Death Metals mit der Intensität und Emotion der Filmmusik zu vereinen. Doch beginnen wir einen Schritt vorher, im Jahr 2012.
Die damalige Gründung der Band von Chris Kolias und Dennis Stirner im bayerischen Bad Griesbach im Rottal erfolgte noch unter einer weit weniger ambitionierten musikalischen Zielsetzung. Anlass zur Inspiration war der zu dieser Zeit erstmalig florierende Metalcore. Der Bandname entsprach dabei weitestgehend der Erwartungshaltung, denn das Wort Advena (lat. „Der Fremde“) nimmt - nicht nur auf sprachlicher Ebene - Bezug auf etwas Neues. Die bis etwa 2018 eingeschlagene Stilrichtung
würde man heute als Hybride zwischen finnischem Melodic Death Metal und Metalcore verordnen.
Eine gitarrendominante Klangfarbe mit Einschüben von Synthesizern prägte das musikalische Bild.
Bis zur heutigen Situation sollten noch einige Umstrukturierungen vonstattengehen. Im Jahr 2016 erstmals vollzählig und live in aktiver Höchstform, findet sich die aktuelle Besetzung Mich (Vocals), Chris (Gitarre), Christoph (Bass / Vocals) und Dennis (Drums) erst seit 2022.
Der sprichwörtlich angeschlagene Ton war dabei von Anfang an zielorientiert: Internationales Booking, ein eigenes professionelles Tonstudio und höchstwertiges Live-Setup waren nur einige der Punkte, mit denen die Zielsetzung vor allem in frühen Jahren deutlich gemacht wurde. Es wurden schnell Zeit, Geld und Motivation auf dem Projekt zentriert.
Die Bilanz im Jahre 2018: Knapp 50 absolvierte Auftritte in zwei Jahren, darunter kleinere Touren in umliegende Länder oder Supportacts für manche internationale Größen wie Eisregen, Debauchery oder Terror.
Das alles unter dem Banner des 2016 veröffentlichten Debüt-Longplayers Realität. Bereits 2022 begannen die Arbeiten am zweiten Album Amygdala, welches mit 19 Songs, knapp 2 Stunden Laufzeit und auf einem eigens dafür geschaffenen Kurzroman basierenden Lyrics ein mächtiges
Gesamtkunstwerk darstellen sollte. Musikalisch ist man nun beim eingangs angedeuteten Stil angekommen, dem Symphonic Death Metal. Die zweistimmigen Gitarren und synthetischen Klänge des Vorgängers sind einem knapp 60-köpfigen Orchester-Arrangement und einer deutlich ensembleorientierten Klanglandschaft gewichen. Das bei Weitem dezentere Riffing wird von komplexen Strukturen moderner Filmmusik durchbrochen und verleiht der Musik eine eigene Dramatik, bei
gleichzeitigem Erhalt der Energie des modernen Metals.
Die Covid-19-Pandemie und die starke musikalische Neuausrichtung
brachten jedoch weitläufige personelle Umstrukturierungen mit sich, weshalb es bis zum Ende des Jahres 2024 dauern sollte, bis die ersten
Songs in Form der EP-Auskopplung Edens Hide das Licht der Welt erblickten. Begleitet wurde der musikalische Bruch auch von einer visuellen Umorientierung. Die Farben dunkelblau und lila dominieren
die Präsentation, die Bühnenpräsenz wird mit einheitlicher Garderobe in
légeren schwarzen Hemden zur nötigen Atmosphäre geführt.
Die Fertigstellung und Veröffentlichung von Amygdala ist für die Jahre
2026 geplant und soll den Weg für einen weit größeren
Gesamtrahmen bereiten, der der konzeptionellen Umsetzung der Musik
als visuelles Kunstwerk Rechnung tragen wird. Oder - um mit einem
Zitat des bereits als Einstieg gewählten österreichischen Dirigenten
abzuschließen - :
Wer all seine Ziele erreicht, hat sie zu niedrig gewählt
– Herbert von Karajan
